Ästhetische Bildung

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff der "ästhetischen Bildung" wurde von Gert Selle in den 90er Jahren geprägt. Sein Konzept stellt den wichtigsten Gegenentwurf zu Gunter Ottos Konzept der "ästhetischen Erziehung". Selle sieht sich selbst eher als „Künstler-Didaktiker“ und fordert somit eine kunstähnliche – nicht pädagogisch-didaktisch – Haltung auch in der kunstpädagogischen Arbeit (Peez, 2012). Der künstlerische Prozess und die Arbeitsweise als Künstler sollen im Vordergrund stehen und erfahren werden, der Fokus liegt somit nicht auf der didaktischen Aufbereitung festgelegter Inhalte. Dieses Konzept entzieht sich somit zum Großteil der schulischen Kunstpädagogik auch durch den denkbaren Verzicht auf Lernziele in der selbstbestimmten Suchbewegung kunstpädagogischer Arbeit (Peez, 2012).

In den Mittelpunkt der ästhetischen Bildung stellt Selle zum einen den Bildungsbegriff zum anderen die Kunst. Bildungsbegriff Selle stellt sich bewusst gegen die lernzielorientierte Kunstpädagogik von Otto und führt als Gegenpol den Bildungsbegriff in die kunstpädagogische Diskussion ein. Dieser muss jedoch vom traditionellen Bildungsbegriff unterschieden werden (Peez, 2012). Selle bezieht sich hiermit auf das Individuum, auf das eigenständige Lernen und auf die selbstanalysierende schriftliche Reflexion über das eigene Handeln. Das heißt es geht um den Lernenden an sich, um den persönlichen Erfolg und um die eigenen reflektierenden Gedanken über den eigenen Prozess. Kunst

Während Otto sich noch zunehmend auf die Pädagogik und die Lehrbarkeit mit Hilfe von Bildern konzentriert, stellt Selle die Kunst (materialerkundene experimentelle, oft environment- und raumbezogene Spielarten der Gegenwartskunst) und das eigene Erfahren von Kunst und kunstnahen Prozessen in den Mittelpunkt seines Konzepts. Daher ist es auch außerhalb des schulischen Rahmens gut einsetzbar (Peez, 2012).

Das Konzept der ästhetischen Bildung eignet sich daher weniger für Kinder und Jugendliche sondern vornehmlich für junge Erwachsene, häufig Studierende, da sie schon den Weitblick haben um die künstlerische Tätigkeit nachvollziehen zu können. Vorteil ist, dass Lernende kreativer arbeiten und eigene Erfahrungen machen können, da sie keinen bestimmten Prozess des Bildermachens durchlaufen sollen. Dies unterstützt die Möglichkeiten für ästhetische Erfahrungen. Wohingegen als nachteilig angesehen werden kann, dass es sehr frei ist und dadurch für Kinder kaum durchführbar ist, da sie feste Rahmenbedingen brauchen und ihr Entwicklungsstand noch nicht so weit ist um in diesem Maße selbstreflektierend arbeiten zu können.


KUDIVI - Kunstdidaktikvideos der Universität Paderborn

Die Kunstdidaktik der Universität Paderborn hat zum Konflikt von Gunter Otto und Gert Selle, sowie zu den drei aktuellen kunstpädagogischen Positionen jeweils ein Video erstellt. Klickt auf den unterstehenden Link um die Videos anzuschauen.

Hier geht's zum Video: Der Otto-Selle-Konflikt

Hier geht's zum Video: Drei aktuelle kunstpädagogische Positionen





Literatur:
Peez, G. (2012). Einführung in die Kunstpädagogik. Stuttgart. S. 63-72.


Zurück zur Übersicht Begriffe im Bereich Kunstpädagogik