Inklusion

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Salamanca-ErklĂ€rung der UNESCO von 1994 bestĂ€tigt u. a. jedem Kind das Recht auf Zugang zu regulĂ€ren Schulen. Somit sollten gĂŒnstige Lernbedingungen fĂŒr alle geschaffen werden. Eine weitere wichtige rechtliche Grundlage bildet die UN Behindertenrechtskonvention: Bei Inklusion geht es um die Ermöglichung der Teilhabemöglichkeit fĂŒr allen Menschen an allen AktivitĂ€ten (UN-BRK, 2006). Die Vertragsstaaten verpflichten sich dazu, jedem Menschen einen Zugang zu einem allgemeinen Bildungssystem zu ermöglichen. Es soll keine Ausnahme bei den Menschen mit oder ohne Behinderung vorhanden sein (UN-BRK, Artikel 24, 2006). Diese Chancen-Gleichheit wird von UN-BRK als Menschrecht erfasst.

„Inklusion ist ein optimiertes und erweitertes VerstĂ€ndnis von Integration“ (Sander, 2002). WĂ€hrend beim Prozess der Integration, von einem bestehenden System ausgegangen wird, an welches Individuen sich anzupassen haben, geht Inklusion vom Menschen mit seinen verschiedenen BedĂŒrfnissen aus, an die das System angepasst werden muss (HĂ€berlein-Klumpner, 2009). Inklusion bezeichnet damit einen Prozess des Perspektivwechsels in der gesamten Gesellschaft (Trumpa/ Seifried/ Franz/ Klaus, 2014). Sie ist somit nicht auf das Umfeld Schule beschrĂ€nkt. Vielmehr bedeutet Inklusion, dass Menschen mit all ihren Eigenheiten einen Anspruch auf Teilhabe in der Gesellschaft haben und in ihr willkommen sind (Trumpa/ Seifried/ Franz/ Klaus, 2014).


Inklusion in der Schule

In Bezug auf den Unterricht bedeutet Inklusion, jeden Lernenden in seiner aktuellen Entwicklung möglichst gut zu unterstĂŒtzen, um seine individuellen FĂ€higkeiten und Persönlichkeit in einer heterogenen Gruppe zu entfalten (Metzger/ Weigl, 2013). Dabei wird die Vielfalt von Lernenden wahrgenommen und die Barrieren in Bildung und Erziehung werden reduziert, sodass Teilhabe aller Lernenden zunehmen kann (vgl. Boban & Hinz, 2003). Großes inklusives Potential besitzen demzufolge Lernarrangements, die thematisch und handlungsspezifisch offen sind und unterschiedliche Lebenswelten voraussetzen (Behrensen/ GlĂ€ser/ Solzbacher, 2015, S.89). Die BemĂŒhungen etwas zu lernen und der Lernfortschritt des einzelnen stehen dabei im Vordergrund; ein definierter gemeinsamer Wissensstand ist nicht das Ziel von inklusivem Unterricht (vgl. HĂ€berlein- Klumpner, 2009). Allerdings widerspricht dies individuelle Lernen der leistungs- und selektionsorientierten Ausrichtung von Schule, welche eines der Problemfelder von Inklusion darstellt. Nicht nur deshalb fehlen bislang konkrete zieldifferente Lernangebote (Musenberg, 2015), um jedem Lernenden gerecht zu werden. Das Potential eines inklusiven Fachunterrichts liegt nach Musenberg (2015) in einer VerknĂŒpfung von Fachdidaktik und SonderpĂ€dagogik unter Beibehaltung der jeweils spezifischen Blickwinkel: So kann zum einen eine solide fachliche Fundierung des Unterrichts erreicht werden, zum anderen mĂŒssen die notwendigsten und grundlegendsten Inhalte identifiziert und fokussiert dargestellt werden, wovon alle Lernenden (und auch die Fachdidaktik) profitieren.


Inklusion im Kunstunterricht

Das Ziel des Kunstunterrichts ist es zum einen „mittels geglĂŒckter kĂŒnstlerisch-Ă€sthetischer Bildung [
] soziale Verantwortung und sozialen Zusammenhalt zu fördern, sowie kulturelle Unterschiede auszugleichen und interkulturelle Dialoge zu fĂŒhren“ (Deutsche UNESCO-Kommission, 2010, S. 154). U. a. deshalb bietet das Schulfach Kunst viel Potenzial in Bezug auf Inklusion. Da im Kunstunterricht IndividualitĂ€t, unterschiedliche Ergebnisse und Sichtweisen nicht nur möglich, sondern in vielen FĂ€llen sogar erwĂŒnscht sind, bietet der Kunstunterricht viele Möglichkeiten die Fragen und Aufgabenstellungen, wie von Ameln-Haffke (2014) gefordert, an das Interesse der Lernenden anzupassen. Durch die individuelle Auswahl von zum Beispiel Materialien, Vorgehensweisen, Themengebieten und die Möglichkeit von Gruppenarbeit, können eigene FĂ€higkeiten eingebracht und individuelle Sichtweisen verdeutlicht werden. Wichtig ist dabei die gemeinsame Reflexion der Arbeiten, in der die Verschiedenheit der Ergebnisse gewĂŒrdigt und so individuelle StĂ€rken herausgearbeitet werden können. (vgl. Behrensen/ GlĂ€ser/ Solzbacher, 2015)

Ebenso kann ein Austausch verschiedener Perspektiven in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken insofern sinnstiftend und impulsreich sein, da sich ĂŒber die eigenen Gedankenstrukturen hinaus fĂŒr den Einzelnen neue Wege zur Themenerschließung ergeben können (Brenne, 2015). Zudem können Lernpartnerschaften, Kooperationen, Aktionen und der Austausch mit KĂŒnstlern außerhalb der Schule Inklusion in der Gesellschaft mit Kunst als Mittel vorantreiben. (Deutsche UNESCO-Kommission, 2010) So wird die Grenze zwischen Schule und Gesellschaft ĂŒberwunden und die Lernenden können Kunst ĂŒber die Erfahrung in der Schule hinaus erleben.


Reflexion - Produktion - Rezeption











Literatur:
Ameln-Haffke, Hildegard (2014) Inklusion und Kunstunterricht. Eine AnnĂ€herung, MĂŒnster: Waxmann.
Brenne, Andreas (2015). Individuelle Förderung in der KunstpÀdagogik. Zwischen Zukunftsorientierung und Bestandssicherung. In: Behrensen et.al. (Hrsg.): Fachdidaktik und individuelle Förderung in der Grundschule Perspektiven auf Unterricht in heterogenen Lerngruppen, Hohengehren
Deutsche UNESCO-Kommission (Hrsg.) (2010) Arts Education for All: http://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/Kultur/Kulturelle_Bildung/_FINAL_Unesco_today_1_2010.pdf [10.07.2017]
HĂ€berlein-Klumpner, C. (2009). Separation Integration Inklusion unter problemgeschichtlicher Perspektive. In P. Thoma & C. Rehle (Hrsg.), Inklusive Schule (S. 183 193). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.
Musenberg, Oliver & Riegert, Judith, Ed. (2015): Inklusiver Fachunterricht in der Sekundarstufe. Stuttgart: Kohlhammer.
Trupma/ Seifried/ Franz/ Klauß (2014) Inklusive Bildung: Erkenntnisse und Konzepte aus Fachdidaktik und SonderpĂ€dagogik, Weinheim Basel: Beltz Verlag
UN-Behindertenrechtskonvention (2006): Übereinkommen ĂŒber die Rechte von Menschen mit Behinderungen. https://www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion-3693/
Klaus Metzger/Erich Weigl (Hrsg.) (2013): Inklusion—eine Schule fĂŒr alle, Berlin: Cornelsen Schulverlage
Ines Boban & Andreas Hinz (2003). Index fĂŒr Inklusion: Lernen und Teilhabe in der Schule der Vielfalt entwickeln. http://www.eenet.org.uk/resources/docs/Index%20German.pdf


ZurĂŒck zur Übersicht Begriffe im Bereich KunstpĂ€dagogik